Montag, 11. Januar 2021

Still und schrill - Anne Franke im MKC Templin

Ihre Malerei, Skulpturen und Grafik sind seit einigen Tagen im Multikulturellen Centrum Templin ausgestellt, doch das Publikum kann sie nur von außen durch die großen Scheiben betrachten. Der Corona-Lockdown fordert seinen Ausschluß-Tribut. Zwei von Anne Frankes Bildern an der Terasse hängen deshalb nach außen gedreht, machen Lust auf die Werke im Innern, die bis zum 15.03.2021 zu sehen sein werden und bis dahin hoffentlich wieder auch in der Foyergalerie und in ganzer Schönheit. Foyergalerie des Multikulturellen Centrums Templin, Prenzlauer Allee 6, 17268 Templin 

Update 14.01.2021:                                                                                                                                     

Seit heute ist ein Teil der Bilder und Skulpturen so zur Scheibe gedreht, dass diese von außen gut angesehen werden können.

Pressetext von Kathrin Bohm-Berg (Geschäftsführerin MKC) vom 14.01.2021:  

Werte Kollegen von Presse, Funk und Fernsehen, die neue Ausstellung mit Arbeiten der Templiner Künstlerin Anne Franke im MKC ist aufgebaut, die Hoffnung, die Verkaufsausstellung bald wieder öffnen zu können ist groß. Sobald der Einzelhandel wieder öffnen kann, wird auch die Galerie an der Prenzlauer Allee in Templin ihre Türen wieder öffnen können. Doch bis es soweit ist, können Kunstinteressierte die Arbeiten trotzdem schon in Augenschein nehmen! Man kann nicht nur sehr gut von außen in den Wintergarten des MKC hineinschauen, in dem die Ausstellung untergebracht ist, die Mitarbeiter des MKC haben jetzt Bilder und Skulpturen an die Fenster gerückt. Abends werden sie auch beleuchtet. So ist auch unter den aktuell erschwerten Bedingungen weiterhin Kunstgenuss im oder jetzt besser gesagt am MKC möglich! Wir würden uns freuen, wenn Sie darüber berichten könnten. Herzlich Kathrin Bohm-Berg

Dienstag, 27. Oktober 2020

Wir trauern um unsere Kollegin, die Malerin und Holzgestalterin Anja Baarmann (1972 - 2020)

 

Anja zur Eröffnung von "Fels und Wasser" am MKC Templin, Juli 2020


Do not go gentle in to that good night.

Rage, rage against the dying of the light.

Dylan Thomas


Wir trauern um unsere Kollegin und Freundin

Anja Baarmann

1972 - 2020


Für Anja


Anja, du bist nicht mehr bei uns, nicht mehr unter uns. Nie wieder Gespräche mit dir am langen Küchentisch im warmen lehmofengeheizten Raum zum Künstlerbrunch oder im kleinen Garten, umringt von Mann, Kindern, Kräutern, Hunden, alles was zu dir gehörte. Immer hattest du einen großen ganz besonderen Salat bereitet, standen dunkelblaue Flaschen mit Wasser auf dem Tisch. Dein Lachen, Deine Freude, dein großes Herz, deine Gelassenheit. Kein Gang mehr mit dir die Treppe hinauf in dein Zauberreich – dein Atelier, voller Schätze, Malereien, Zeichnungen, Experimenten, gefüllt mit Büchern, Papieren, Stoffen, Farben, Pinseln, Stiften.

Da stehen noch die Musikinstrumente, das kleine Akkordeon. Wann hast du das alles gemacht - Mann, 6 Kinder, 2 Enkel, Haus und Hof, Hund und Katz, Malerei, Musik, Chor, Freunde, Kurse geben und belegen, Ausstellungen, Reisen, dabei immer fröhlich, immer gut gelaunt, großherzig, souverän. Warst so voller Kraft und Lust und Energie.

Du hattest so viel vor. Färbekurse im Sommer, Malkurse, Reisen, Ausstellungen, Projekte, das dritte Enkelkind. In deiner Website stehen die Winterkurse ab Oktober. Du hast das Leben geliebt und unerschütterlich an eine Heilung geglaubt. Auch wir. Wer so gesund lebt, so viel tut für seine Gesundheit und die der Familie kann doch gar nicht sterben. Dachten wir alle.

Anja, deine Zuversicht wieder zu gesunden, als wir uns trafen zu deiner vorletzten Ausstellungsbeteiligung im Sommer zu ‘Fels und Wasser‘ im MKC Templin - du sahst so schön aus, warst vorher noch mit deiner Familie in Schottland. Wie fröhlich, wie glücklich hattest du davon berichtet.

Jetzt bist du aus dem Leben gerissen worden. Aus deiner Familie. Aus deiner Kunst. Ich höre dein Lachen. Ganz nah und doch weit weg. Kein Gespräch mehr mit dir, kein Treffen. Nie wieder. Niemand versteht das. Niemand glaubt es. Es ist wie ein böser Traum, aus dem sich nicht aufwachen läßt.

Es ist unfaßbar.

Bist nicht mehr unter uns.

Und doch bist du hier.

Anja, du fehlst mir,

fehlst uns allen.


Ada S. und umKunst. November 2020

 


Werke von Anja Baarmann "Fels und Wasser" im MKC 2020

Fotos: Gerald Narr (1), Ada Narr (2)

 

Zur Nachrufseite der Familie von Anja: http://www.mondbaum.de/anjanachruf

Uckermarkkurier Templiner Zeitung vom 25.November 2020:

 

Video von Gisbert Baarmann: (Link führt direkt zu youtube)
 Anja Baarmann spricht zur Eröffnung von "Fels und Wasser" am 24.Juli 2020 am MKC Templin:

oder hier ansehen:




Nachtrag vom 29.November 2020: Gestern hat Gisbert Anjas Urne auf dem kleinen Friedhof in die Dargersdorfer Erde gelegt. Die Familie und viele der Freunde waren dabei. Drei Kranichpaare flogen während der Zeremonie darüber hinweg, es wirkte mythisch, wie ein Winken von Anja. 

Anjas Grabstelle auf dem Dargersdorfer Friedhof 

Vor Anjas Fenster

Samstag, 26. September 2020

Frieden und Krieg

 

© RZ, Klosterkirche Angermünde
 Ausstellung der umKunst Gruppe noch zu sehen bis zum 3. Oktober
 




Samstag, 5. September 2020

Rede von Ines Baumgartl zur Eröffnung von "Frieden und Krieg" am 29.08.2020

Ich mache mich gefasst Auge in Auge mit den Bildern einer Ausstellung zwischen dem „Frühstück im Grünen“ von Manet und „Guernica“ von Picasso. Ich mache mich gefasst mit den Bildern einer Ausstellung die trojanischen Kettenhunde des Friedens bellen und knurren zu hören. Ein fröhliches Heulen, bis der vermeintliche Friede panzerweise verloren geht. Ich mache mich gefasst, mich im Nullgrund des historischen Pessimismus wiederzufinden in meiner Zeile: „Mit spitzem Schrei zerbricht ein altes Porzellan/jedoch beim leisen Sprung schon läutete es ein sein Ende.“

Friede ist plötzlich Heckmeck, das Drunterdrüber der Fackelzügler. Nacht bricht an. Melde dich! Melde dich, du Hoffnung gegen die Heimzahlung, die Heimtücke. Behellige mich, Friede, mit deiner Behaglichkeit. Wie friedsam doch ein Friedhof sein kann!

Die Kunst ist ein Kampf, eine Fehde mit der Heimsuchung. Ringen, Tauziehen, Eifer, Zerrissenheit. Und dann kommt das Handgemenge. Man will eine Arbeit machen und drückt alles andere weg. Man wird rücksichtslos, böse, wenn man seine Arbeit nicht machen kann. Ein Zeppelin zappelt in den Spalten des Hirns. Im Zwiespalt keifen sich die berauschenden Stimmen an. In Bronze gegossen, auf Ton geschrieben, auf Lehm gebaut, verspatelt, verschnürt, verflixt und nicht zugenäht. Ein Nest im Stacheldraht. Am Anfang war die Welt wüst und leer, und dann zündelte der Götterfunke. Das ist Brandstiftung mitten im Idyll, wo violett die Einsamkeit Eintracht vorspiegelt, wo Berührungsangst das Schutzgitter inmitten aller Versehrtheit zu sein scheint. Im Schafspelz, im Blutpelz wird Rudelimmunität zur Schießbudenwahrheit. Die Himmelscheibe ist zerfressen, und die Planquadrate der Sandkastenspiele sind vorgemerkt für eine neue Realität.

Da hockt die fette Taube, die sich Friede nennt. Sie ist rot, sie gurrt: Leben, Blut, Tod, alles nur Flussschaden. Sie ist zahm und verträglich, weiß und versöhnlich. Eine Brieftaube. Von der Mutter einen Gruß. Lieber Vogel, fliege weiter. Frieden ist das betrunkene Wecken von Träumen auf Papier, auf Sand, auf den lieben Zeichen der Ewigkeit.

Ines Baumgartl

(Rede zur Ausstellungseröffnung „Frieden und Krieg“ der Künstlergruppe umKunst in der Klosterkirche Angermünde, 29.8.2020)